Dieses Jahr werde ich im September für zwei Wochen eine große Reise nach Namibia antreten. Schon jetzt habe ich für die Reise 2.000 Euro bezahlt – eine ziemlich große Summe, wenn man bedenkt, dass ich noch Studentin bin. Deshalb frage ich mich, was mit dem Geld passiert, wenn ich die Reise gar nicht antreten kann? Was passiert, wenn ich ganz plötzlich erkranke? Bekomme ich das Geld zurück oder habe ich die komplette Summe umsonst bezahlt?

Da ich die Reise bei einem Reiseveranstalter gebucht habe, ist ein Vertrag zwischen mir und dem Veranstalter entstanden, an den wir beide gebunden sind. Von vielen Verträgen, einem Kaufvertrag beispielsweise, kann man meist nur zurücktreten, wenn der erworbene Gegenstand einen Mangel aufweist. Im Reiserecht gibt es allerdings eine Ausnahmeregelung: nach § 651 BGB kann der Reisende vor Reisebeginn jederzeit vom Reisevertrag zurücktreten. Der Reiseveranstalter verliert dann den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Deshalb darf er eine angemessene Entschädigung verlangen. Die Höhe dieser Entschädigung ist meistens in den AGB des Reisevertrags zu finden und bemisst sich am Reisepreis.

Bei der Summe, die ich für die Reise bezahlt habe, wäre eine solche Entschädigung in meinem Fall sehr hoch. Deshalb habe ich mich im Vorfeld umfassend informiert und vorsorglich eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Aber auch die Versicherung bezahlt nur, wenn bestimmte Gründe, beispielweise eine nicht vorhersehbare Krankheit, eintreten und ein gültiges Attest vorgewiesen werden kann.

Was passiert aber, wenn in Namibia plötzlich ein Krieg ausbricht oder ein Sandsturm das Land verwüstet? Dazu stellt § 651 BGB fest, dass eine Reise, die durch bei Vertragsabschluss nicht voraussehbare höhere Gewalt erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt wird, sowohl seitens des Reiseveranstalters als auch seitens des Reisenden gekündigt werden kann.

Folglich kann eine Reise gleichermaßen von beiden Vertragsparteien storniert werden – insofern das Auswärtige Amt tatsächlich eine Reisewarnung ausgibt. In bestimmten Fällen kann man also von seiner geplanten Reise zurücktreten. Es ist ratsam, bei der Planung seiner Reise vorsorglich eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen, da diese häufig die anfallenden Stornogebühren übernimmt.

Ab in den Süden… I rechtsgeschichten
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