Es ist schon ein paar Jährchen her, da schlenderte ich unbekümmert durch die Innenstadt und wollte meinen Einkaufsbummel gerade fortsetzen, als ich von einem jungen Mann angesprochen wurde. Der sympathische Herr erzählte mir von einem kostenlosen Probe-Abo für einen guten Zweck. Kostenlos? Guter Zweck? Das hörte sich nicht verkehrt an, also blieb ich stehen. In einem 5-minütigem Vortrag erzählte er mir über straffällige Jugendliche, die wieder in die Gesellschaft integriert werden sollen und dazu Zeitschriften austragen. Wenn ich etwas Gutes tun wollte, könnte ich ein kostenloses Probe-Abo abschließen, dass die gerade erwähnten Jugendlichen verteilen. Das alles wäre auch wirklich kostenfrei. Ich müsste nur immer schauen, ob ich auch jede Woche meine Zeitschrift im Briefkasten hätte. Nach zwei Monaten bräuchte ich nur Bericht erstatten, ob alles geklappt hat. Natürlich durfte ich mir noch eine Zeitschrift aussuchen, die Auswahl war groß und bunt und die Entscheidung schnell getroffen. Indem er mit einem kleinen Formular vor meiner Nase herum wedelte, erklärte er mir, ich bräuchte nur meine Adresse einzutragen und zu unterschreiben. Völlig arglos überflog ich kurz das Formular und trug brav, wie befohlen, meine Adresse ein und unterschieb. Zum Abschied bekam ich noch einen Durchschlag des Formulars. Zufrieden mit meiner Guten Tat begab ich mich auf dem Heimweg.

Unterschrift

Die Unterschrift, die hier gegeben wurde, gilt als Zustimmung für den Vertrag. Häufig landen allerdings heutzutage arglose Internetnutzer in Abofallen. Im Internet kann man allerdings nicht wirklich „unterschreiben“. Verträge können allerdings laut herrschender Meinung mündlich, schriftlich oder durch sonstiges Verhalten geschlossen werden. „Sonstiges Verhalten“ schließt auch den Klick auf eine Schaltfläche im Internet ein. Dazu gilt seit 2012 die „Button-Lösung“: Wenn etwas durch einen Button kostenpflichtig bestellt wird, muss darauf explizit auf der Schaltfläche hingewiesen werden.

Schon nach den ersten Schritten dachte ich darüber nach und sah mir meinen VERTRAG genauer an. Hier stand zwar etwas von Probe-Abo, aber im Kleingedruckten wurde alles noch einmal genauer erklärt. Ich konnte es nicht fassen, anscheinend hatte ich mich bereit erklärt, ein 12-monatiges Abo zu bestellen mit zusätzlichen 2 Monaten gratis. Mir war ganz schlecht. Mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern ging ich nach Hause. Mann, war das peinlich und wie sollte ich das nur zu Hause meinen Eltern erklären.

Solche Abo-Fallen gibt es relativ häufig im Alltag. Einer Studie der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein beispielsweise haben rund 22% der Jugendlichen (12 bis 21 Jahre) in Schleswig-Holstein bereits Rechnungen bekommen, die aus Abo-Fallen hervorgehen. Es geht dabei nicht unbedingt nur um Zeitschriften Abos, sondern auch um andere Dinge. So wurde beispielsweise im November 2015 in der TLZ vor „WhatsApp-Betrügern“ gewarnt. Diese schickten Warnungen, dass der WhatsApp-Account des jeweiligen Nutzers ablaufen würde. Klickt man dann auf diese (als Werbemeldung erscheinende) Anzeige, gelangte man auf eine Seite, die eigentlich Hintergrundbilder für WhatsApp anbietet. Gab man dort seine Daten und Mobilfunknummer ein, hatte man ein teures Digitalabo am Hals.[1]

Daheim angekommen schilderte ich schuldbewusst die ganze Story. Wer konnte ahnen, dass da eine fiese Masche hinter steckt, schließlich war der Mann so nett?! Meine Mutter schlug die Hände über den Kopf zusammen und fragte mich, ob ich denn auch meine Kontonummer angegeben hätte. Nein hatte ich nicht – Gott sei Dank!

Die Bankverbindungen werden in solchen Abofallen häufig nicht abgefragt. Meist wird man bloß aufgefordert, persönliche Daten (Anschrift, E-Mailadresse usw.)  aufzuschreiben. Die Steller der Abofallen benötigen diese für die Sendung der Forderung (Rechnung) und rechtfertigen die Herausgabe der persönlichen Daten häufig damit, dass das Angebot nicht anderweitig in Anspruch genommen werden kann (im Beispielfall die Zusendung der Zeitschriften: Wenn man seine Adresse nicht herausgibt, kann man keine Zeitschrift bekommen).

Daraufhin studierten wir mein Formular/Vertrag und erkundigten uns im Internet über das Unternehmen, dass die Abos verkauft. Wir fanden erschreckende Geschichten über Abo-Fallen aus denen man nicht mehr raus kommt, bis hin zur Anwaltsklage. Da ich ja glücklicherweise keine Bankverbindung angegeben hatte, versuchten wir es erst einmal mit einer schriftlichen Kündigung des Kaufvertrages. Dazu setzte ich ein Schreiben auf, in dem ich von meinem Widerrufsrecht Gebrauch machte, mit der Bitte, mir meine Kündigung schriftlich zu bestätigen. Das Ganze schickte ich per Einschreiben (sicher ist sicher) an das Unternehmen.

Widerrufsrecht: „Recht eines Vertragspartners, besonders eines Verbrauchers, unter bestimmten Voraussetzungen von einem geschlossenen Vertrag zurückzutreten. Um wirksam zu werden, muss der Widerruf innerhalb der Widerrufsfrist ausgeübt werden. Die Länge der Widerrufsfrist beträgt im Normalfall zwei Wochen ab Vertragsabschluss.

Das Widerrufsrecht zwischen Unternehmen und Verbrauchern  ist in § 310 Abs.3 BGB geregelt. Die allgemeine Frist für den Widerruf beträgt zwei Wochen. Häufig wird man bei „Probeabonnements“ aufgefordert, auf sein Widerrufsrecht zu verzichten. Dies ist nach deutschem Recht unzulässig, da von den vom Gesetz allgemein festgelegten Regeln zum Vertrag nicht zu Ungunsten des Verbrauchers gehandelt werden darf, und damit ungültig.

Nach eineinhalb Wochen bekam ich einen Brief des Unternehmens mit der Kündigung des Abos. Da hatte ich großes Glück, denn oft ist es viel schwerer sich aus solchen Abo-Fallen zu „befreien“.

Am besten umgeht man Abofallen, wenn man sich bei „dubiosen“ Verträgen oder Anbietern, die man noch nicht kennt, genau das Kleingedruckte durchliest und nicht arglos seine Unterschrift abgibt. Für die WhatsApp-Falle riet die TLZ den Betroffenen, den Vertrag durch eine Nachricht an eine angegebene Nummer zu kündigen, und nicht-Betroffenen eine Drittanbietersperre einzurichten.

[1] http://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Whatsapp-Betrug-Warnung-vor-Sperrung-ist-eine-Abo-Falle-1386164247