Helene ist ein 15-jähriger Teenager und eine aktive Nutzerin von Social Media. Eine von Helenes häufig genutzten Apps ist Instagram. Auf dieser App können Nutzer Fotos oder Videos hochladen und Beiträge anderer kommentieren oder liken. Darüber hinaus gibt es auf Instagram auch mehrere berühmte Personen, die als Influencer bezeichnet werden können. Ein Influencer ist jemand, der Einfluss auf die Gesellschaft haben kann. Dies können Prominente, Blogger, YouTuber oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sein, die in bestimmten Communities als wichtig angesehen werden. Im Allgemeinen hat ein Influencer Tausende bis Millionen Follower in den sozialen Medien.

Eines Tages in der Schule hörte Helene ein Gespräch ihrer Freundin über die Influencerin X mit. Helenes Freunde waren damit beschäftigt, über die Influencerin zu sprechen, aber die Dinge, über die sie sprachen, waren eher negativ als positiv. Helene war zunächst verwirrt, warum ihre Freunde die Influencerin X nicht mochten. Aber weil sie fast jeden Tag hörte, wie ihre Freunde darüber redeten, wurde Helene beeinflusst, bis auch sie die Influencerin ohne ersichtlichen Grund nicht mehr mochte. Helene drückte diese Abneigung auch dadurch aus, dass sie immer wieder bösartige Bemerkungen über den Kleidungsstil, das Gesicht und die Körperform der Influencerin machte, wie sie sprach, selbst die kleinsten Dinge wurden von Helene kommentiert.

Helene hielt das, was sie tat, für normal, denn die Leute um sie herum machten das Gleiche und sie sieht auch oft Leute im Internet, die ähnliche Kommentare zu den Beiträgen anderer Leute posteten. Helene lag jedoch falsch, denn eines Tages erhielt sie eine Nachricht von der Influencerin X, dass sie nicht zögern würde, Helene bei der Polizei anzuzeigen, sollte Helene dies weiterhin  tun. Die Influencerin schrieb auch, dass sie Beweise für böswillige Kommentare gesammelt hätte, die Helene zu ihren Posts schrieb.

Helene geriet in Panik, weil sie nicht wusste, dass das, was sie die ganze Zeit getan hatte, kriminell war. Helene erzählte schließlich ihrer großen Schwester, die Jura studierte und sich mit Rechtsfragen gut auskannte, von ihrem Problem.  Nachdem sie Helenes Geschichte gehört hatte, erzählte ihre Schwester ihr auch, dass das was sie getan hatte, Cybermobbing war. Tatsächlich wird Cybermobbing nicht ausdrücklich als Kriminalität eingestuft, aber es gibt mehrere Handlungen, die gegen das Gesetz verstoßen.

Nach weiteren Ermittlungen wurden Helenes Handlungen gemäß § 185 StGB in die Kategorie Beleidigung aufgenommen. Beleidigung selbst ist ein Angriff auf die Ehre anderer durch Äußerung von Gleichgültigkeit. Eine Beleidigung ist dann keine Ausnahme, wenn diese mit Schimpfwörtern ausgeführt wird. Der Täter kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft werden. Bei Übergriffen sogar mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder auch einer Geldstrafe.

Mit diesem Wissen hatte Helene Angst, verhaftet zu werden und müsste gegebenenfalls eine Strafe hinnehmen. Helenes Schwester schlug ihr daher vor, einen Entschuldigungsbrief an die Influencerin X zu schreiben, in dem steht, dass Helene gewusst habe, was sie tue und damit aufhören werde. Helene tat, was ihre Schwester ihr sagte und schickte den Brief an die Influencerin X.

Wenig später erhielt Helene eine Antwort von der Influencerin X. In diesem meinte sie, dass sie Helene verzeihen wolle und diesen Fall nicht weiter zur Polizei bringen würde. Angesichts des jungen Alters von Helene wollte Influencerin X nicht, dass Helenes Zukunft getrübt würde. Helene war erleichtert über diese gute Nachricht, fühlte sich sehr glücklich und versprach, dies in Zukunft nicht mehr zu tun. Schon in der Schule erinnerte Helene ihre Freunde, die immer noch böswillige Kommentare schickten, daran, aufzuhören, weil die Tat unanständig sei.

Auch Helenes Schwester erkannte schließlich, dass sie ihre jüngere Schwester aktiver beobachten musste, während diese das Internet nutzte. Sie vergaß auch nicht, Helene daran zu erinnern, vorsichtig zu sein, wenn sie die Beiträge anderer Leute kommentierte oder Fotos/Videos in sozialen Medien teilte.

Quellen

Cybermobbing an der Tagesordnung | rechtsgeschichten
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