Clemens ist furchtbar aufgeregt! Denn er geht heute zum ersten Mal ins Fitnessstudio. Nach einem Probetraining und dem gemeinsamen Vertragsschluss steht er nun mit seinen neuen Turnschuhen und seinem stylischen Stirnband vor dem Studio seiner Wahl, um das erst Training anzutreten.

Doch am Drehkreuz wird Clemens aufgehalten. „Junger Mann!“, krächzt eine Mitarbeiterin, „Die Flasche können Sie aber nicht mit reinnehmen. Es sind nur Getränke des Hauses erlaubt!“. „So ein Mist!“, denkt sich Clemens. Er würde so gerne seinen extra gekauften Power-Mega-Ultra-Drink während des Trainings trinken. Aber Regel ist Regel.

Doch ist so eine Regelung rechtmäßig? Nein, sagen verschiedene Gerichte (LG Frankfurt, 24.11.2004 – Az: 2/2 O 307/04; OLG Brandenburg, 25.06.2003 – Az: 7 U 36/03). Das würde den Besucher schließlich benachteiligen, weil er dann lediglich die dort verkaufte Ware konsumieren dürfte, zu oft horrenden Preisen! Getränkeverbote sind im Allgemeinen nicht zulässig. Ausgenommen sind Glasflaschen. Aus dem verständlichen Grund, dass die Verletzungsgefahr durch Scherben einzudämmen ist, genau wie auch im Schwimmbad.

Clemens darf also passieren. Er sieht sich um und läuft zur Umkleidekabine. Heraus kommt er leichter bekleidet als zuvor, mit seinem fetzigen Tank-Top. Schon wird er wieder angesprochen. Die Kleidung verstoße gegen eine Regel der Hausordnung. Sie wäre zu freizügig. Clemens sieht sich um und sieht zahllose Frauen mit ärmellosen Shirts.

Ist diese Regelung rechtmäßig? Nein, wenn Frauen Tank-Tops tragen dürfen, dann müssen es auch Männer gleichermaßen tun dürfen. Das verlangt der § 19 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, der eine Diskriminierung auf Grund des Geschlechts zu verhindern versucht.

Grünes Licht also für Clemens. Er sucht sich den Stepper aus und legt gleich los. Im Bewegungsfluss auf dem dynamischen Sportgerät fühlt er sich wie ein junger Gott. Er sieht sich um und fühlt sich so enorm sportlich und modern! Nichts kann ihn aufhalten!! Doch dann passierte es: *Stolper* *Geklapper* *Geschrei*. Clemens findet sich auf dem Boden wieder. Kurz denkt er, wow, selbst die Decke ist wunderschön eingerichtet, dann besinnt er sich doch der Situation und bemerkt, er ist vom Stepper gefallen. Und sein Knöchel. Oh oh! Das fühlt sich nicht gut an…  Clemens hat sich etwas am Knöchel getan. Sowas Blödes aber auch. Heute scheint wirklich nicht sein Tag zu sein. Er beschließt aufzustehen und um Hilfe zu bitten, als ihm die genervte Mitarbeiterin vom Eingang schon entgegeneilt. „Mensch, Clemens, was haben Sie denn gemacht?“, krächzte sie. „Ja ich bin hier herunter… ich weiß ja auch nicht… das ging alles so schnell…!“ „Aber Clemens, ich sag Ihnen gleich, wir haften dafür nicht. Da steht ja auch ein Schild am Eingang: „Für entstehende Schäden und Diebstahl haften wir nicht.“, sehen Sie?“

Aber reicht dieses Schild aus? Ist das Studio aus dem Schneider? Jein, die Haftung kann jedenfalls nicht per se ausgeschlossen werden. Wenn jedoch grobe Fahrlässigkeit auf Seiten des Sportlers an den Tag gelegt wurde (übereifriges, falsches Benutzend der Geräte), was bei Clemens nicht der Fall war, (wir gehen davon aus, dass das Gerät schlecht gewartet war) dann kann ein Studio die Haftung aber tatsächlich ausschließen (vgl. hierzu OLG Stuttgart, NJW 1987, 1082; OLG Düs­sel­dorf NJW-RR 1992, 55; OLG Hamm NJW-RR 1992, 243; OLG Mün­chen NJW-RR 1995, 1467). Wenn Clemens also wegen des Knöchels zum Beispiel nicht arbeiten kann, und ihm deswegen Ausfälle drohen, kann es unter Umständen dazu kommen, dass das Studio für die Folgen des Unfalls haften muss.

Naja. Jetzt ist Clemens aber erst mal schlecht drauf. Der Knöchel schwillt immer weiter an und tut weh. Er humpelt ins Krankenhaus.  Das war’s wohl mit dem Sport für heute. Zuhause angekommen, mit einem putzeimergroßen Fuß und der Diagnose: „Knöchel kompliziert verstaucht“ bricht Clemens in Tränen aus. Jetzt hat er so viel Pech gehabt und kann erst einmal keinen Sport mehr machen. Und die Mitgliedsbeiträge muss er auch noch trotzdem bezahlen. Wie furchtbar!

Aber Moment! Kann man Clemens nicht da auch noch helfen? Ist das so, dass er trotz Krankheit weiterhin bezahlen muss? Nein, auch wenn das in einigen Verträgen so steht, sind diese Klauseln nicht rechtsmäßig (OLG Hamm, Az.: 17 U 2/91, Ur­teil vom 10.10.1991). Clemens muss für die Dauer der Erkrankung – oder auch einer Schwangerschaft, die bei ihm wohl nicht zu erwarten ist – keine Mitgliedsbeiträge zahlen, wenn er ein ärztliches Attest vorzeigt. Dabei darf das Fitness Studio im Übrigen nicht genauer nachfragen, welche Erkrankung genau vorliegt.

Dann hatte Clemens ja noch mal Glück im Unglück. Für heute ist er aber mit den Nerven am Ende. Trotzdem hat er ein kleines Lächeln auf den Lippen, weil er den Tag irgendwie aufregend fand…

 

Quellen:

Rechtsanwalt Christian Solmecke auf https://www.menshealth.de/artikel/dresscode-im-fitnessstudio.20185.html
Rechtsanwalt Dr. Frank Bahners aus Düsseldorf auf https://www.menshealth.de/artikel/fitnessstudio-beitrag-ruhen-lassen.19976.html 25.10.18 16:14

Ein Besuch im Fitnessstudio… | rechtsgeschichten