Die Schulglocke läutet: Für mich und meine Freunde heißt das, dass die letzte Stunde in der neunten Klasse vor den Sommerferien angebrochen ist. Auf dem Weg in den Klassenraum unterhalten sich alle darüber, was sie in diesen machen werden und wo sie hinfahren. Als Lisa merkt, dass ich mich aus der Unterhaltung zurücknehme, fragt sie mich: „Und Max, was hast du in den Sommerferien so schönes vor?“ Ich weiß, dass sie nur versucht mich aufzuheitern, aber leider ging der Versuch nach hinten los. Um sie nicht vor den Kopf zu stoßen, antworte ich zumindest mit einem leichten Schulterzucken.

Lukas, der Klassenclown mischt sich ins Gespräch ein und fängt an zu erzählen: „Ach Max! Dir muss es doch nicht peinlich sein, dass deine Eltern ihren Laden schließen mussten. Mein Vater hat auch gemeint, dass die Immobilienpreise in unserer Gegend in letzter Zeit immens gestiegen sind. Wenn du kein Geld hast, um wegzufahren, dann solltest du dir ein Beispiel an den Kindern in Bangladesch nehmen – die fangen nämlich schon in jungen Jahren an, Geld für ihre Familie zu verdienen.“ Plötzlich mischen sich die anderen ein und es bricht eine Debatte darüber los, ob es überhaupt legal ist, als Jugendlicher zu arbeiten. Von der Idee umhergetrieben, mein eigenes Geld verdienen zu können, bin ich sofort nach der Schule nach Hause und habe mich an den Laptop gesetzt. Schnell wurde ich fündig.

So gibt es nur für die Beschäftigung von Personen unter 18 Jahren ein besonderes Gesetz: das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG).

Laut § 2 (2) JArbSchG, welches in einer ausführlichen Broschüre des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz dargestellt wird, gelten also Personen zwischen 15 und 18 Jahre als Jugendliche. Genau unter diese Rubrik falle ich. Doch Moment! Da ich gemäß § 2 (3) JArbSchG noch vollzeitschulpflichtig bin, das bedeutet, dass ich in Thüringen laut § 19 (1) Thüringer Schulgesetz zumindest zehn Jahre zur Schule gehen muss, finden die für Kinder geltende Regelungen Anwendung. Also forste ich mich weiter zum nächsten Abschnitt durch, in welchem die Beschäftigung von Kindern geregelt ist. Schnell werden meine Hoffnungen zerstört, als ich im §5 (1) JArbSchG lese, dass Kinderarbeit generell verboten ist. Denn so soll gewährleistet werden, dass das Kind vor Ausbeutungen geschützt ist und somit sein Recht auf freie Entwicklung der Persönlichkeit unbeschadet von dem Arbeitgeber ausleben kann. Komischerweise muss ich an Lukas‘ Kommentar zu der Arbeit von Kindern in Bangladesch denken. Auf einmal bekommt dieser Kommentar einen ganz komischen Beigeschmack, aber das ist ein anderes Kapitel.

Trotz allem, sehe ich mich selbst nicht mehr als Kind und ich denke, dass ich doch zumindest in den Sommerferien ein bisschen arbeiten kann. Also schaue ich weiter. Tatsächlich! In § 5 (4) JArbSchG lese ich die erhoffte Ausnahme: So gilt das Verbot nicht für die Beschäftigung von Jugendlichen während der Schulferien, für allerdings maximal vier Wochen im Kalenderjahr.

Schließlich fasste ich den Beschluss, gleich am nächsten Morgen die Zeitungsannoncen nach einer einfachen und kurzen Tätigkeit zu durchforsten. Immerhin weiß ich nun, dass es legitim ist, einmal in der Woche Zeitungen oder Flyer zu verteilen und dafür ein wenig entlohnt zu werden.

So habe ich vielleicht am Ende der Sommerferien, die Chance mit meinen Freunden ein paar Tage an den See zu fahren – und das von meinem eigens verdienten Geld!

Quellen: Bundesministerium für Arbeit und Soziales; Klare Sache – Informationen zum Jugendarbeitsschutz und zur Kinderarbeitsschutzverordnung. Januar 2017.
https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a707-klare-sache-jugendarbeitsschutz-und-kinderarbeitsschutzverordnung.pdf?__blob=publicationFile[08.01.2018]

Geld verdienen leicht gemacht?! I rechtsgeschichten