Die sozialen Medien leben von den privaten Fotografien ihrer Nutzer. Die letzte Mahlzeit, das neue Haustier oder auch nur Bilder mit Freunden auf einer Feier werden stets hochgeladen und veröffentlicht. Im Vordergrund sind meistens die Urheber des Bildes selbst zu sehen. Schaut man sich die jeweiligen privaten Aufnahmen genauer an bemerkt man, dass auch andere fremde Personen auf den Bildern zu sehen sind.

Hieraus stellt sich natürlich die Frage, ob das legal ist. Schließlich werden diese Bilder ohne die Zustimmung der abgebildeten Personen auf sozialen Netzwerken veröffentlicht und sind für jeden Internetnutzer frei zugänglich. Die Bilder können nicht nur von Nutzern sozialer Netzwerke für  weitere Verwendungen heruntergeladen werden, diese sind auch für andere Internetnutzer wie Unternehmen zugänglich, die diese Fotografien z.B. für eigene Werbezwecke nutzen können.

Als Privatperson stelle ich mir natürlich die Frage, ob ich auch nicht selbst schon auf Bildern von Fremden zu sehen bin und wie viele Menschen nun Zugriff auf diese Fotografien haben? Es ist schwierig für jedes aufgenommene Bild, das Einverständnis der entsprechenden Personen einzuholen, die versehentlich mitfotografiert wurden. Schließlich beabsichtige ich ja nicht die fremden Personen an sich zu fotografieren, sondern die Umgebung oder ein bestimmtes Ereignis. Dass ich aufgrund dieser veröffentlichten Bilder gegen ein Gesetz verstoßen oder sogar die Rechte einer anderen Person verletzt  haben könnte, beschäftigt mich doch ein wenig. Es stellt sich mir die Frage, wie angesichts der hohen Menge an täglich veröffentlichten Bildern, die Suche nach eigenen Ablichtungen auf unbekannten Profilen durchgeführt werden könnte? Hierzu ist zu erwähnen, dass das Gesetz das Recht an dem eigenen Bild unter besonderen Schutz stellt und sich betroffene Personen auf dieses berufen können.

Die Artikel eins und zwei des deutschen Grundgesetzes schützen demnach das Recht am eigenen Bild. Es geht zuvörderst um die informationelle Selbstbestimmung und die freie Persönlichkeitsentfaltung. So hat jeder Mensch das Recht über die Verwendung des eigenen Bildes selbst zu bestimmen. Dementsprechend hat jeder auch das Recht gegen die Veröffentlichung des eigenen Bildes strafrechtlich vorzugehen. Des Weiteren konkretisiert die Europäische Menschenrechtskonvention in Artikel 8 Abs. 1 das Recht auf  die Achtung des Privat- und Familienlebens. Dies impliziert auch das Recht auf die selbstbestimmte Verwendung des eigenen Bildes. Darüber hinaus können sich Betroffene auf den zivilrechtlichen Schutz des § 1004 des Bürgerlichen Gesetzesbuches  berufen, welches einen Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch beinhaltet. Dieser Paragraph kann hinzugezogen werden, wenn der oder die Betroffene die jeweilige Plattform zur Löschung der Fotografien auffordert. Des Weiteren ist eine Strafanzeige gegen die Plattform bzw. die verantwortliche Person möglich, in der ein Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz begründet wird. Eine betroffene Person kann zu dem § 201 des  Strafgesetzbuches zum Schutz der Privatsphäre als Schutzanspruch hinzuziehen.

Angesichts der unzähligen Bilder die täglich ins Internet gestellt werden, auf denen auch Unbekannte zu sehen sind scheint das unabdingbare Recht auf Privatsphäre bzw. genauer das Recht auf das eigene Bild, aufgrund des Umfangs der Exemplare und der unüberschaubaren Nutzung des Internets kaum ausreichend gedeckt werden zu können. Jedoch bedeutet dies nicht, dass das Recht am eigenen Bild aufgrund der Unübersichtlichkeit des Internets bzw. der Sozialen Netzwerke unterminiert wird. Sollte ein Verstoß gegen dieses Recht vorliegen, können betroffene Personen wie verdeutlicht, rechtlich gegen dieses Vergehen vorgehen.

Mein Bild – mein gutes Recht I rechtsgeschichten
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