Sophia, 19 Jahre alt, ist im Juli mit der Schule fertig geworden und will mit ihrer besten Freundin Anna für ein halbes Jahr nach Australien und „rumreisen“, bevor sie nächstes Jahr mit dem Studium anfängt. Davor jobbt sie noch ein bisschen nebenher, um sich die teure Reise auch leisten zu können. Damit sie weiter Kindergeld bekommt, Anspruch auf BAföG, einen günstigen Tarif bei der Krankenkasse und Studentenrabatte hat, schreibt sie sich pro forma für irgendein zulassungsfreies Studienfach ein – Anwesenheitspflicht gibt’s ja keine, also wird sie auch keine einzige der Veranstaltungen besuchen müssen. Noch besser, sie kann mit der THOSKA sogar kostenlos durch ganz Thüringen fahren, wenn sie wiederkommt und Zeit hat, alle Leute zu besuchen – für all das zahlt sie gern den geringen Semesterbeitrag.

Sophia ist da keine Ausnahme. Insbesondere seit Abschaffung der Studiengebühren machen das viele, ob mit der Schule oder dem Bachelor/Master fertig, ob „ein bisschen arbeiten“, ein Praktikum machen, für das man (noch) immatrikuliert sein muss – es gibt keine offiziellen Zahlen der Fake-Studierenden, teilweise ist aber sogar von 20 bis 30 Prozent die Rede.

Das Phänomen der Park-Studierenden gab es schon immer. Aber hier muss man aufpassen! Streng genommen handelt es sich beim Scheinstudium nämlich um Betrug, also eine Straftat, im Sinne von § 263 StGB. Dort heißt es:

„Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Wenn das Fake-Studium bei der Hochschule auffliegt, droht den Studierenden die Exmatrikulation. Zumindest theoretisch– es gab bisher noch keinen Präzedenzfall, der es bis vor das Gericht geschafft hat. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Unis nicht genügend Ressourcen haben, den Phantomstudierenden hinterher zu schnüffeln; diese Gruppe ist schwer zu fassen, die Fälle fast unmöglich aufzudecken und der Betrug kaum nachzuweisen. Schließlich gibt es auch andere Gründe wie Krankheit, Elternzeit, Urlaubssemester etc., die ein Fehlen erklären können.

Oft wird das Phänomen von den Universitäten aber auch aus anderen Gründen nicht verfolgt, schließlich springt auch für die Hochschulen, die argumentieren, dass die Scheinstudierenden keine Lehrmittel beanspruchen, einiges dabei raus: die Höhe der staatlichen Gelder richtet sich nämlich nach der Anzahl der Studienanfänger.

Diese scheinbare „Straffreiheit“ gilt aber nicht für andere Leistungen. Wenn das BAföG-Amt rausfindet, das man zu Unrecht Gelder erhalten hat, gibt es mächtigen Ärger. Diese Fälle wurden und werden im schlimmsten Fall als Betrugsfälle rechtlich verfolgt, schließlich geht es um eine Menge Geld. Hat man in der Zeit auch noch Kindergeld bezogen, kann der Staat auch dieses zurückfordern. Hier kommt zudem der moralische Aspekt zum Tragen. Das Scheinstudium wird hauptsächlich durch Steuergelder finanziert und man liegt demnach dem Steuerzahler und dem Staat auf der Tasche.

Das scheinbar größte Problem bei Phantomstudierenden sind allerdings die verschwendeten Studienplätze. Bei beliebten Studiengängen bewerben sich auf einen Studienplatz oft mehrere Bewerber. Wenn der Scheinstudierende nun den besten NC oder die meisten Wartesemester angesammelt hat, bekommt er/sie den Studienplatz, auch wenn der-/diejenige den Hörsaal nicht ein einziges Mal besuchen wird. Doch auch bei zulassungsfreien Studiengängen kommt es durch die tatsächlich geringere Anzahl der Eingeschriebenen zu organisatorischen Problemen. Es werden größere Hörsäle zugeteilt als benötigt und während ein Professor vor einem halbleeren Hörsaal steht, wäre dieser an anderer Stelle dringend notwendig. Hinzu kommt, dass sich die Scheinstudierenden auch negativ auf die Absolventenquote der Hochschulen auswirken.

Fazit ist also, dass Scheinstudierende von vielen Vorteilen auf Kosten anderer profitieren. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass zu jeder Zeit die Gefahr besteht, mit dem Betrug aufzufliegen. Die Konsequenzen reichen von der Exmatrikulation von der Universität über gerichtliche Verfahren wegen Betrugs bis hin zur Rückzahlung von Fördergeldern usw. Viele Hochschulen überlegen zudem, nur noch zulassungsbeschränkte Studienfächer anzubieten, um gegen Scheinstudierende anzugehen, was sicherlich nicht für alle einen Vorteil bedeuten würde. Man sollte sich also fragen, ob einem das Ganze wirklich wert ist und man sich in diesem rechtlich grauen Bereich aufhalten will.

Passend dazu:

https://www.unicum.de/de/studentenleben/zuendstoff/scheinstudenten-schlaue-sparer-oder-fiese-abzocker

https://www.zeit.de/studium/uni-leben/2014-05/schein-studenten-universitaet

Nach der Schule Studieren! Aber nur auf dem Papier… | rechtsgeschichten