Zum 14. Geburtstag gibt es nicht nur Geschenke – einem werden auch neue Rechte und Pflichten zu Teil. Nach § 5 RelKErzG (Gesetz über die religiöse Kindererziehung) ist man jetzt voll religionsmündig; nach § 19 StGB (Strafgesetzbuch) aber auch gleichzeitig bedingt strafmündig.

Auch Mark, Hanna, Leon und Paula sind vor kurzem 14 Jahre alt geworden – ein guter Anlass für einen gemeinsamen Kinobesuch. In ihrer Planung stoßen sie dabei aber auf ein paar Probleme.

„Wie schaut es mit Donnerstagabend aus? Da wäre eine Vorstellung um 19:30 Uhr!“, sagt Mark, der die Idee zum Kinobesuch hatte. „Nee, am Freitag muss ich ganz zeitig zum Gericht, meine Eltern lassen sich ja scheiden“, entgegnet Paula traurig. „Da will ich am Donnerstagabend nicht so spät ins Kino gehen.“

Und da hat Paula auch Recht: denn nach § 159 FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit) sind Gerichte verpflichtet, etwa bei Sorgerechtssachen oder in Vormundschaftsstreitigkeiten, Kinder ab 14 Jahren anzuhören.

„Und was ist mit Freitagabend?“, fragt Mark in die Runde. „Freitag geht nicht. Da fahre ich alleine mit dem Bus zu meinen Großeltern nach Dänemark!“ „Ganz alleine?“, fragt Hanna entgeistert. „Ja ganz alleine!“, verkündet Leon stolz.

Und in der Tat darf Leon ganz alleine zu seinen Großeltern reisen – insofern er die Erlaubnis seiner Eltern hat. Das Reisen für Kinder unter 18 ist in Deutschland nicht genau geregelt. Dem eigenen Kind sollten die Eltern jedoch immer eine schriftliche Erlaubnis ausstellen, am besten mit Kopie des Personalausweises. Da Leon in Dänemark von seinen Großeltern persönlich in Empfang genommen wird, sollte die Reise problemlos verlaufen. Wie andere Länder das Reisen Minderjähriger beurteilen, bleibt aber im Einzelfall zu prüfen.

„Und Mittwoch 19:30 Uhr?“, fragt Mark erneut. „Klingt gut!“, meint Leon und auch Hanna und Paula haben am Mittwoch Zeit, sodass sich die vier Freunde auf diesen Termin einigen.

Am Mittwoch trifft sich die Gruppe dann 19:00 Uhr vor dem Kino. Als sie zum Schalter gehen, wundert sich der Verkäufer: „Sagt mal, dürft ihr überhaupt noch so spät ins Kino?“, fragt er in die Runde. Mark, der sich vorher im Internet informiert hatte, gibt über diese Frage Aufschluss „Selbstverständlich, bis 22:00 Uhr dürfen wir ins Kino!“

Und tatsächlich hat sich Mark sehr gut informiert – denn Jugendliche ab 14 Jahren dürfen nach § 11 JuSchG (Jugendschutzgesetz) Filmveranstaltungen bis einschließlich 22:00 Uhr besuchen. Vorausgesetzt, der Film ist für die Altersstufe freigegeben.

Zu einem ordentlichen Kinobesuch gehört natürlich auch Popcorn. Die Verkäuferin befüllt eine Popcorntüte nach der anderen und stellt diese auf dem Tresen bereit – während alle anderen geduldig warten, greift Hanna ihre Popcorntüte kurzerhand und macht sich auf Richtung Kinosaal. „Hey, du hast noch nicht bezahlt!“ flüstert Paula. „Ist doch kein Problem, Eltern haften für ihre Kinder, oder nicht?“, flüstert Hanna zurück.

Doch das ist nicht ganz richtig – denn mit 14 Jahren gilt, wie bereits erwähnt, eine bedingte Strafmündigkeit für Hanna nach § 19 StGB, sodass sie bei Vergehen durchaus belangt werden kann. Letztlich richtet sich das danach, ob Hanna gemäß ihrer geistigen Reife schon im Stande ist, ihren Fehler als solchen zu erkennen.

Glücklicherweise entscheidet sich Hanna ihr Popcorn ordnungsgemäß zu bezahlen, ohne dass die Verkäuferin ihren Versuch, dem zu entgehen, überhaupt bemerkt. Mit sich selbst zufrieden, mit Popcorn versorgt, gehen die Freunde dann in Saal 4 und genießen ihren Film – vollkommen rechtmäßig.

Rechte und Pflichten ab 14: Das Jugendrechtshaus wird 14 Jahre alt I rechtsgeschichten