Mia macht im Zuge ihres Studiums ein Pflichtpraktikum bei einem großen Konzern. Ihr erster Tag beim Praktikum lief leider nicht ganz nach ihren Vorstellungen. Sie hatte sich neue Fähigkeiten für ihre Zukunft und einen einzigartigen Einblick hinter die Kulissen eines großen Konzerns erhofft. Stattdessen waren ihre primäre Aufgabe auf das  Kaffeekochen und die Essensbestellung ihrer Kolleg*innen beschränkt. Als ihr Chef sie dann auch noch dazu aufforderte, seine Tochter von der Schule abzuholen, fühlte Mia sich vollkommen fehl am Platz. Daraufhin stellte sich Mia folgende Fragen:

Welche Rechte und Pflichten habe ich eigentlich als Praktikant?
Ist eine Kündigung einer Praktikumsstelle möglich?

Rechte eines*r Praktikant*in
Um diese Fragen zu klären, müssen wir erst einmal den Begriff ‚Praktikant‘ erläutern.

„Praktikant ist, wer ohne Arbeitnehmer oder Auszubildender i.S.v. §1 Abs.2 BBiG zu sein, aufgrund eines Praktikumsvertrages zur Vorbereitung auf seinen Hauptberuf in einem zeitlich begrenzten betrieblichen Ausbildungsverhältnis steht, welches Teil einer geordneten beruflichen Grundausbildung ist“[1].

Es gibt zwei Arten von Praktikum:

  1. Das Pflichtpraktikum
    Ein Pflichtpraktikum ist in der Studienordnung der Universität oder von der Schule vorgeschrieben. Um den angestrebten Abschluss zu erwerben, muss der Student*/Schüler* ein Praktikum absolvieren. Hier liegt allerdings kein Anspruch auf Vergütung vor. Allerdings besteht die Möglichkeit eines Bafög Anspruchs. Erhält der Student* während seines Studiums Bafög, besteht sein Anspruch auch weiterhin während des Praktikums. Weiterhin besteht dieser auch, wenn es sich bei dem Praktikum, um eine vorausgesetzte Leistung zur Zulassung zum Studium handelt.
  2. Das freiwillige Praktikum (ohne Schul-oder Hochschulbezug)
    Weiterführende Rechte haben Praktikanten* (während) eines freiwillig absolvierten Praktikums. Ihre Rechte bestimmen sich nach dem Berufsbildungsgesetz[2]. Demnach besteht auch ein Anspruch auf Vergütung durch den (Arbeitgeber). Voraussetzung dafür ist, dass das Praktikum länger als einen Monat dauert und der Praktikant* aktiv am Unternehmensalltag beteiligt ist.

Warum begründet ein Praktikum kein Ausbildungs-/Arbeitsverhältnis?
Der Praktikant soll praktische Fähigkeiten und Erfahrungen auf einem bestimmten Arbeitsgebiet durch ein Praktikum sammeln, deshalb erstrebt er in Teilen eine Ausbildung an, die jedoch nicht auf eine abgeschlossene Fachausbildung gerichtet ist. „Vom Arbeitsverhältnis unterscheidet sich das Praktikumsverhältnis dadurch, dass es nicht primär um den Austausch von Arbeitskraft und Entgelt geht, sondern um den Erwerb beruflicher Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen“[3].

Habe ich einen Anspruch auf Vergütung?
Nach herrschender Meinung gilt das Recht auf Vergütung für das Vor- und Nachpraktikum. Beide dieser Praktika weisen keinen Hochschulbezug auf, somit gilt nach §26 BBiG ein Vergütungsanspruch gem. §17 BBiG. Weiterhin umfasst sind nach §§ 26 i.V.m. 17 BBiG freiwillige Praktika.

Habe ich einen Anspruch auf Urlaub während des Praktikums?
Grundsätzlich besteht für einen Praktikanten* ein Recht auf Urlaub, dies beinhaltet Vor-/Nachpraktikum, sowie freiwillige Praktika ohne Schul-/Hochschulbezug gem. §§27, 10 Abs.2 BBiG. Ein Urlaubsanspruch bei den genannten Praktikumsverhältnissen bestimmt sich nach §§ 1ff. BUrlG. Dieser beträgt nach §3 Abs. 1 BUrlG pro Monat seines Arbeitseinsatzes beim Praktikumsgeber mindestens zwei Werktage. Nach herrschender Meinung finden diese Gesetze mangels Anwendbarkeit keine Verwendung bei einem verpflichtenden Praktikum mit Hochschulbezug.

Kann ich einen Praktikumsplatz kündigen?
Das wichtigste Recht, welches sich aus einem Praktikumsvertrag ergibt, ist das Recht auf Ausbildung und Beschäftigung. Dieses umfasst, dass der Praktikumsgeber* den Praktikanten* für einen befristeten Zeitraum ausbilden muss, um ihm die beruflichen Kenntnisse, Fähigkeiten und beruflichen Erfahrungen beizubringen. Gem. Art.2 GG i.V.m. Art.1 GG leitet sich außerdem die Abnahmepflicht des Arbeitgebers für die Tätigkeit des Praktikanten* ab, welches die sachgerechte und zielgerichtete Ausbildung definiert. Somit kann Mia das Recht einfordern, die beim Abschluss des Praktikumsvertrags vereinbarte Ausbildung auch wirklich zu erhalten und dass ihre Beschäftigung konkret zur Erlangung der vereinbarten beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten führt.

Pflichten des*r Praktikant*in:
Ausbildungs- und Tätigkeitseinsatz ist Hauptpflicht. Nach §§241 Abs.2 i.V.m. 242 BGB hat der/die Praktikant*in die Verpflichtung im Rahmen des Praktikumsverhältnisses die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des Praktikumsgebers zu berücksichtigen.

Der/die Praktikant*in ist auch dazu verpflichtet Nebentätigkeiten zu erledigen, die im Zusammenhang mit den betriebliche Belangen stehen, dadurch darf der Ausbildungszweck aber nicht vereitelt werden. Die wie oben beschriebene Tätigkeit von Mia als Babysitter steht nicht im Zusammenhang zu betrieblichen Belangen und wird wohl auch den angestrebten Ausbildungszweck verfehlen.

Quellen:

https://iurratio.de/journal/rechte-und-pflichten-fuer-praktikanten/

https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/


[1] https://iurratio.de/journal/rechte-und-pflichten-fuer-praktikanten/

[2] Übersicht über die wichtigsten Paragraphen des Berufsbildungsgesetzes: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/

[3] https://iurratio.de/journal/rechte-und-pflichten-fuer-praktikanten/

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