Karl geht nicht gern zur Schule. Das hat unterschiedliche Gründe, er ist oft überfordert und gestresst, darunter leiden vor allem die Beziehungen zu den Lehrern und Lehrerinnen bei denen er sich nicht so wohl im Unterricht fühlt. Die anderen lachen ihn oft aus, wenn er aufgerufen wird und nicht sofort die richtige Antwort parat hat. Karl kann das nicht verstehen, schließlich kann er ja auch nicht alles wissen. Morgens packt er seinen Rucksack, steckt das Pausenbrot ein und los geht’s. Doch wenn er dann bei der Schule ankommt, verlässt ihn oft der Mut und er biegt ab – wohlwissend, dass er eigentlich die Pflicht hat zur Schule zu gehen, das haben die Lehrer und Lehrerinnen ihm oft genug gesagt.

In Thüringen muss Karl gem. § 19 Abs. 1 Thüringer Schulgesetz (ThürSchulG) zehn Jahre zur Schule gehen. Damit ist es aber nicht getan, denn danach besteht eine Berufsschulpflicht, solange das Berufsausbildungsverhältnis dauert oder bis zum Ende des Schuljahres, in dem der Schüler oder die Schülerin das 18. Lebensjahr vollendet. Karl ist aber erst 15 Jahre alt… na toll, da kann er ja noch lange warten.

Wenn Karl elf Tage unentschuldigt gefehlt hat, wird dies von der Verwaltung seiner Schule an die zuständigen Ämter gemeldet. Dann muss er mit einem Bußgeld rechnen. Das Amt fordert dann Karl und seine Eltern auf, eine Stellungnahme abzugeben. Karl muss den Termin zur Anhörung wahrnehmen und ausreichende Entschuldigungen vorbringen, sonst droht das erste Bußgeld wegen seines Schulversäumnisses. Sollte seine Schule weitere Meldungen machen, droht ihm ein Bußgeld von je 100 Euro oder mehr. In Thüringen kann das Amt für seine Schulpflichtverletzung ein Bußgeld von bis zu 1500 Euro fordern, § 59 Abs. 2 ThürSchulG.

Aber wer muss das Geld eigentlich bezahlen? Grundsätzlich müssen Karls Eltern als Erziehungsberechtigten überwachen, dass er seiner Schulpflicht nachkommt. Sobald seine Eltern dieser Pflicht vorsätzlich oder fahrlässig nicht nachkommen, droht das Bußgeld den Eltern. Jedoch muss jeder Schüler und jede Schülerin ab einem Alter von 14 Jahren damit rechnen, dass er selbst für das Bußgeld wegen Schulschwänzens aufkommen muss – so auch Karl. Dass Schulschwänzen so teuer werden könnte, hätte er nicht gedacht. Ab jetzt will er die Zähne zusammenbeißen und sich nicht unterkriegen lassen, das hat er sich fest vorgenommen. Mach’s wie Karl, geh zur Schule!

Quellen:
Bußgeld, Sanktionen im Schulrecht: Droht beim Schuleschwänzen und bei Schulverweigerung ein Bußgeld?, https://bussgeld.org/schulverweigerung-bussgeld/, abgerufen am: 26.09.2018.
Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Fachliche Empfehlung zum Umgang mit Schuldistanz in Thüringen, https://www.thueringen.de/de/publikationen/pic/pubdownload1393.pdf, abgerufen am: 26.09.2018.

Wenn Karl die Schule schwänzt… I rechtsgeschichten